Stadtteiloffensive Ückendorf aktiv


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Wappen

In der Zeit vom 01.09.1896 bis zum 01.04.1903 war Ückendorf ein selbständiges Amt. Dieser Entwurf eines Wappens fand aber nie die Zustimmung der Behörden.


 

 

 

 

Eine historische Fahrt durch Ückendorfs Vergangenheit

Unser Ückendorf war mal ein richtiges Dorf

Wer kann sich angesichts der heutigen örtlichen Gegebenheiten Ückendorf als eine kleine Ansammlung von ein paar Bauernhöfen und kleinen Kotten vorstellen? Tatsächlich hat Ückendorf als Dorf aber eine sehr lange Geschichte. Sie ist verbunden mit der Siedlungsgeschichte altgermanischer Stämme, die in den Jahren 500 - 800 im Bruchland zu beiden Seiten der Emscher sesshaft wurden.

Zur Zeit der Besiedlung unserer Heimat war es üblich, dass man den Ort, an dem man sich niederließ, nach dem Namen seines Anführers benannte. Der Name Ückendorf geht wahrscheinlich auf den Namen Hugo oder Hukko zurück, dessen Leute sich also "Huginge" oder "Hukkinge" nannten. Ihr Dorf nannten sie Hugingsdorf.

Die neuen Siedler suchten möglichst die Nähe des fließenden Wassers; hier bei uns waren das die Mühlenbecke, später Wattenscheider Bach und die Höckelenbecke, später Hochlarbach. In der Bauernschaft Ückendorf gehörte die Mehrzahl der Höfe und Kotten zur Großgrundherrschaft, dem Stift Essen, das um 852 von einem Edlen aus dem Stamm der Sachsen, Altfrid, damals Bischof von Hildesheim, auf seinem Erbgut Asnide (Essen) gegründet worden war. Altfrid starb am 15. August 874 und wurde auf seinen Wunsch hin in der von ihm errichteten Münsterkirche (der heutigen Bischofskirche) in Essen bestattet. Im Jahr 946 brannte diese Kirche nieder und Ückendorfs Unterlagen, die hier wohl vorhanden waren, wurden vernichtet.

Aber auch die Abtei Werden, gegründet ca. 799 von Liudger, dem späteren ersten Bischof von Münster, hatte hier in Ückendorf Hörige, die an die Grundbesitzer ihre jährlichen Abgaben zu leisten hatten. Um 1254 wird Ückendorf als Haupthof des Stiftes Essen urkundlich erwähnt, während unser damaliges Nachbardorf Gelsenkirchen bereits um 1150 als Geilistirinkirkin in den Akten genannt ist.

Die Bauern der damaligen Zeit versammelten sich zu ihren Zusammenkünften an der Dorflinde, der "Tie". In Ückendorf, so wird vermutet, lag der Tie beim Dorfteich, am Schnittpunkt von vier Wegen, dem späteren Ückendorfer Platz. Diese Stelle war gekennzeichnet von einem großen Findling, der von einer Linde beschattet wurde. Der Sage nach soll dieser schwere Stein von einem Riesen, der auf dem Tippelsberge hauste, im Streit mit dem Riesen auf dem Mechtenberg nach hier geworfen worden sein. Jetzt liegt er zusammen mit einem anderen Findling im Ückendorfer Südpark.

Im Jahr 1486 zählt Ückendorf ca. 60 Einwohner die sich im wesentlichen auf die Höfe Gerwyn to Vrochtwinkel, Henr. to Vrochtwinkel, Schult to Uckentorp, Gerdt aver dat Velt, Jan aver dat Velt, Bruegmann, Thymann, Evert them Groll, Jan Backhuyß, Gerwin tem Groll, Lyndemann, Dorlemann, Wechmann und Schepers verteilten.

Die Bauernschaft Ückendorf gehörte zum alten Kirchspiel und späterem Dekanat Wattenscheid im Erzbistum Köln. Zur Gertrudispfarre, die katholisch geblieben war, gehörte neben der Freiheit Wattenscheid die Bauernschaften Hüllen, Bulmke, Braubauerschaft (Bismarck), Günnigfeld, Westenfeld, Höntrop, Sevinghausen und Leithe.

Die Auswirkungen der Reformation hinterließen auch in Ückendorf ihre Spuren. Aus der Chronik Ückendorfs geht hervor, dass sich die Familien der Höfe Große Grollmann, Schmidt, Thomas, Boecke, Schroer und Peddenkämper dem evangelischen Glauben anschlossen. Zum Katholizismus bekannten sich weiterhin die Familien Backs, Tiemann, Große Kämper, Krahwinkel, Fennebusch, Hohfeld, Schüffler, Schäfer, Fellermann, Schulte im Hofe, Niermann, Frochtwinkel, Dördelmann, Lindemann, Altegarte, Abbendieck, Brüggemann, Schulte Spelberg, Schäfer Holthoff, Wegmann, Sonntag, Büscher, Gantenberg, Barenscheid, Goßmann und Kleine Grollmann.

Unter den soeben genannten Hofnamen finden wir viele, die uns bis heute als Straßennamen in Ückendorf bestens bekannt sind. Eine spätere Generation der Familie Kleine Grollmann hat übrigens wesentlichen Anteil am Bau der kath. Pfarrkirche St. Josef.

Am 10. Juni 1571 erhält das Nachbardorf Gelsenkirchen das landesherrliche Recht jährlich zwei Märkte abzuhalten. Ob die Ückendorfer Bewohner sich da wohl auch mit notwendigen Waren eingedeckt oder gehandelt haben? Bestimmt! Man versorgte sich nämlich auch aus Witten und Hattingen, wo es wichtige Märkte gab.

Die Einwohnerzahl unseres Dorfes hat sich in den nächsten Jahrhunderten nur wenig verändert. 1664 wurden 195 Einwohner gezählt, 1768 waren es 185 und 1855 lebten hier 337 Menschen.

Ückendorf entwickelt sich zu einem großen Gemeinwesen

Ückendorf behält seinen Dorfcharakter bis, ja bis man auch in Ückendorf nach dem schwarzen Gold, der Kohle suchte und auch fündig wurde. Durch den Bau und die Kohleförderung auf den Zechen "Holland" 1860, "Rheinelbe" 1861 und "Alma" 1872 wächst die Bevölkerungszahl rapide. 1875 wohnten hier bereits 5.288 Menschen. Mehr als die Hälfte davon waren Katholiken.

Unser Dorf gehörte in vergangenen Jahrhunderten verschiedenen Herrschaftsbereichen an und musste damit auch verschiedenen Herren dienen und Abgaben leisten.

Bis zum 31. August 1876 gehörte Ückendorf, wie andere Bauernschaften auch, zum Amt Wattenscheid und damit zum Landkreis Bochum. Während die anderen Bauernschaften zum Amt Gelsenkirchen kamen, wurde unser Ückendorf am 01. September 1876 selbständiges Amt mit eigener Amtsverwaltung und eigener Gemeindevertretung, schließlich war Ückendorf ja "schon immer" etwas Besonderes.

Der erste Amtmann Ückendorfs hieß Karl Schäfer, ihm folgte Major Adalbert Cramer. Das Amtshaus stand in der Ziegelstrasse (späteres Ückendorfer Armenhaus), dann an der Ecke Bochumer Strasse/Knappschaftsstrasse (bis vor einiger Zeit Polizeistation).

Die Ückendorfer wollten damals auch ein eigenes Gemeindewappen haben

Als sich am 1. September 1876 Ückendorf von Wattenscheid trennte und ein eigenes Amt bildete, wollte man auch ein eigenes Gemeinde- und Amtssiegel führen. Im Stadtarchiv Gelsenkirchen befindet sich unter einem Glaskasten der  Entwurf  zu einem solchen Wappen und Siegel. Dazu gibt es dort den nachfolgenden Text:

Das Wappen zeigt in einem silbernen Schild einen aus rotem Schildesfuße hervorwachsenden Eichenbaum in natürlichen Farben. Der Schildesfuß ist belegt mit silbernem Schlegel und Eisen, welches rechts und links von goldenen Ährenbüschen Begleit find, deren Enden unten ebenfalls sich kreuzen.

Auf dem oberen Schildesrunde ruht die dreizinnige Mauerkrone. Das Wappen ist geteilt, eine waagerechte Mittellinie teilt das Schildfeld in zwei Teile. Die untere Hälfte der Schildhöhe ist rot, die obere weiß. Damit sind die westfälischen Farben ausgegeben.

Die Ähren deuten auf die Landwirtschaft. Schlegel und Eisen auf auf die Industrie hin. Die Eiche ist von jeher der characteristische und oft besungene Baum Westfalens. Im unteren Falle aber wollte man das Wort Ückendorf von Eiche ableiten.

Dieser Entwurf eines Wappens für Ückendorf ist jedoch niemals genehmigt oder von den zuständigen Behörden bestätigt worden. Als Ückendorf der Stadt Gelsenkirchen zugeordnet und dort eingemeindet wurde, bestand ja auch keine Notwendigkeit mehr für ein Wappen eines eigenständigen Amtes Ückenorf. Die Wahrscheinlichkeit einer offiziellen Genehmigung war auch nicht sehr groß, weil zu viele Merkmale nicht genehmigungsfähig waren.

Die Mauerkrone, die im oberen Teil zu sehen ist, stand nur Städten zu. Das Heroldsamt in Berlin hätte sie sicherlich gestrichen. Es ist fraglich, ob dem Amt Ückendorf vom Heroldsamt überhaupt die Erlaubnis zur Führung eines Wappens erteilt worden wäre. Denn nach 1907 schrieb die Berliner Stelle an die Gemeinde Wanne auf ihr Gesuch hin, dass „der Verleihung eines Wappens an Landgemeinden grundsätzlich Bedenken gegenüberstehen“. Und 1909 schrieb das Preußische Ministerium des Inneren einer anderen Landgemeinde, dass den Landgemeinden grundsätzlich keine Wappen verliehen werden könnten. Ob nach Ückendorf eine gleiche oder ähnliche Antwort gekommen wäre?

Das ganze Wappen erinnert stark an das Stadtwappen von Herne. Da sollte man meinen, eines der beiden habe dem anderen als Vorlage gedient. Der Entwurf des  Ückendorfer Wappen ist aber älter, als das Herner Wappen.

Im Jahr 1896, als Ückendorf sein langersehntes katholisches Gotteshaus bekam, wurde am 01. April der neue Amtmann von Wedelstaedt in sein Amt eingeführt. Herr von Wedelstaedt leitete die Geschicke unseres Gemeinwesens bis zum 31. März 1903. Am nächsten Tag verlor Ückendorf seine Selbständigkeit und wurde ein Stadtteil der Großstadt Gelsenkirchen. Von Wedelstaedt war übrigens von 1919 bis 1928 Oberbürgermeister unserer Stadt. Eine Besonderheit: 1898, Ückendorf hatte bereits ca.19.009 Einwohner, wurde auf seine Anregung hin ein Ückendorfer Gemeindepark errichtet, in dem sich auch mehrere Tiergehege befanden. Dieser Park ist der heutige Südpark bzw. von Wedelstaedtpark.

Wussten Sie eigentlich, dass Ückendorf auch ein eigenes Elektrizitätswerk und einen Schlachthof besaß? Das E-Werk stand am "Alten Friedhof"; bauliche Reste sind in den Werkshallen der Fa. Wilhelm Geldbach noch vorhanden. Der Schlachthof, 1906 stillgelegt, stand an der Straßeneinmünung Am Dördelmannshof/Ückendorfer Strasse. Reste stehen noch auf dem Betriebsgelände der Fa. Berchem & Schaberg.

Ückendorf erhält seine erste Schule

Bis zum Jahre 1875 mußten die Ückendorfer schulpflichtigen Kinder nach Wattenscheid zur Schule. Am 4. Januar 1875 bekamen dann die Ückendorfer ein eigenes Schulgebäude. Sie hatten damit bestimmt einen weiten Schulweg, der vor allem im Herbst und Wintertagen oft nicht gehbar war. An diesem Tag wurden die beiden Schulhäuser der ersten Ückendorfer Volksschule, in der nach Konfessionen getrennt unterrichtet wurde, an der Schulstrasse 147, (Ückendorfer Strasse/Festweg) feierlich eingeweiht.

Diese Umgemeindung der Schulkinder wurde festlich begangen. Der damals im ganzen Ort bekannte Kapellmeister Giefentierchen aus Dortmund, der im Volksmund nur "Fränsken" hieß, war mit seiner großen Kapelle erschienen und geleitete die Ückendorfer Schulkinder von Wattenscheid her in ihr neues Heim. Selbstverständlich waren alle "Spitzen der Behörden" bei diesem Festmarsch vertreten. So der Gemeinderat, der hohe Schulvorstand und der alte Pfarrer Niemeyer. Nach einem großen Weiheakt ging es in der ganzen Gemeinde recht festlich zu, wofür vor allem "Fränsken" sorgte, der mit seiner kleinen Figur, seiner Iltismütze und seinem ewig braunen Überzieher und besonders mit seinen Säbelbeinen immer wieder für die nötige Stimmung sorgte. Die Schuljugend kam dann auch auf ihre Kosten, da sie bei Gemeindefesten recht freizügig bewirtet wurde.

Die ersten evangelischen Lehrer waren die Herren Bertelmann, Schreppner und Kansler. Erste katholische Lehrer waren Bernhard Kalthegener aus Wattenscheid, Heinrich Weber I aus Dortmund und Heinrich Weber II aus Hachen bei Arnsberg. Sie sollen es mit den "Balgen von damals" nicht leicht gehabt haben, da ein Teil von diesen durch die widrigen Verhältnisse vorher monatelang keine Schulbank gesehen hatte. Die Schule wurde später "Alte Schule" genannt und ca. 1976 abgerissen, nach dem dort für einige Jahre eine Sonderschule untergebracht war. Letzte Schulleiter der katholischen Volksschule waren die Rektoren Niedermeier und Donauer.

Durch das rapide Anwachsen der Bevölkerung und der damit verbundenen großen Schülerzahlen war bereits zwei Jahre später ein Um- und Ausbau der "Alten Schule" notwendig geworden. Außerdem wurden in diesen Jahren bis 1898 die "Hollandschule" an der Hollandstrasse, später zu Wattenscheid gehörend, die "Almaschule" an der heutigen Hohenfriedberger Strasse, die "Parkschule" an der Parkstrasse, und die "Rheinelbeschule" an der Sedanstrasse, ab 1903 Yorkstrasse, ab 1946 Göttinger Strasse, ab 1969 Carl-Mosterts-Strasse, gebaut. Damit hatte Ückendorf fünf große katholische und evangelische Volksschulen.

Ückendorf bekommt einen eigenen Friedhof

Die Verstorbenen des Dorfes und Amtes Ückendorf mussten bis 1892 in Wattenscheid beigesetzt werden. In diesem Jahr wurde in Ückendorf der erste Friedhof, später der "Alte Friedhof" genannt, angelegt, und zwar am Festweg, heute Ecke Elsa-Brandström-Strasse. Dieser Friedhof erhielt auch eine Priestergruft, auf der die späteren Pfarrer der Gemeinde, Pfarrer Lüthen † 1899, (55 J.), Pfarrer Roether † 1916 (53 J.) und Kaplan Drescher † 1899, (28 J.) beigesetzt wurden. Als der "Alte Friedhof" 1961 in eine Parkanlage umgewandelt wurde, musste auch die Priestergruft eingeebnet werden, weil sie von Rowdies immer mehr entweiht wurde.

Nach 1896 wurde der heutige Südfriedhof als zweiter Ückendorfer Friedhof in Benutzung genommen. Die Älteren werden sich noch erinnern, dass auf dem rechten Teil, längs des Hauptweges, die katholischen und auf dem linken Teil die evangelischen Christen beigesetzt wurden.

An alle Toten des Alten Friedhofes erinnert auf dem Südfriedhof die Christusfigur, die längs des Hauptweges links hinter dem zweiten Rondell steht. Diese Christusfigur stammt aus der Kreuzigungsgruppe, die früher auf der Priestergruft des Alten Friedhofes stand.